Estland ist berühmt für seinen hervorragenden IT-Sektor. Nicht nur sind die Cyber-Spezialisten der NATO vor allem in Estland stationiert, auch das Bildungssystem des nordischen Staates punktet mit einem ausgefeilten und zumeist digitalen Unterricht in der Informationstechnologie. Schon die Jüngsten lernen in der Schule zu programmieren. Auch innovative estnische Projekte wie die Entwicklung von Skype ließen schon beizeiten aufhorchen. Wie wirkt sich das auf die Unternehmenskultur Estland aus?

Die estnische IT – vom Staatsauftrag bis hin zum Online-Casino

Die estnische IT trägt zu einem hervorragenden Anwachsen der estnischen Volkswirtschaft bei. An erster Stelle seien profane Staatsangelegenheiten zu nennen, die ob der ausgeklügelten estnischen Systematik nicht auf unnötige Bürokratie angewiesen sind. Wahlen, Volkszählungen, Arztdateien – alles wird online abgehalten und gespeichert. Jede estnische Identitätskarte, ähnlich dem deutschen Personalausweis, kann mit dem Internet verbunden werden. Angezeigt werden auf dem nationalen Portal alle Eigenschaften, die der Kartenträger gerne gespeichert haben möchte. Etwa kann ein Arzt direkt die vollständige Krankheits- und Medikationsgeschichte eines Patienten einsehen, bevor dieser überhaupt in der Praxis erschienen ist. Wahlen gelingen per Mausklick, Bahntickets laufen über den Ausweis, wie auch vieles mehr, was den Arbeitsalltag ungemein erleichtert.

Im Militärischen zeigt sich dieser Wissensstand der Esten auf beeindruckende Weise. Konferenzen wie die Jährliche baltische Verteidigungskonferenz ABCD haben meist Hackerangriffe und Cybersecurity zum Thema. Estland weist hier die Richtung in ein Zeitalter des hybriden Krieges und wird der Europäischen Union damit von großem Nutzen sein.

Auch in zahllosen mittelständischen Unternehmen zeigen die Esten ihr Können. Jüngst wurde das estnische Videospiel Disco Elysium zu einem der besten Spiele des Jahres 2019 gekürt. Hoffnungen gehen dahin, dass sich in Estland eine Videospielindustrie etablieren kann.

Da estnische Arbeitskräfte immer noch vergleichsweise günstig sind, können diverse Projekte dorthin auch ausgelagert werden. Wie etwa das Betreiben eines Online-Casinos: Eine Tätigkeit, die in Deutschland selbst illegal ist, kann, sofern es dem verfassungsrechtlichen Rahmen Estlands entspricht, nach Estland verlagert werden.

Estlands Unternehmenskultur profitiert von der starken IT des Landes, das wird so bleiben.